Das war’s! Fotorückblick auf das fclr 2017

Geschafft! Das festival contre le racisme Göttingen war wunderbar. Danke allen tollen Menschen die unser Festival in den letzten Tagen trotz widrigen Witterungsbedingungen besucht und bereichert haben. Danke allen in welcher Form auch immer Beteiligten. Dank Euch konnten wir informieren, uns untereinander vernetzen und ein starkes Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung setzten.

Wir hoffen Euch hat das diesjährige Festival ebenfalls gefallen. Unten findet ihr unsere Bildergalerie vom Wochenende.

FCLR 2017

Dokumentarfilm: The Awakening

Roma Center Göttingen

Der Dokumentarfilm The Awakening von Kenan Emini (Roma Antidiscrimination Network) zeigt Momentaufnahmen der politischen und sozialen Lage von Roma in Europa. Der Film ist eine Art Work in Progress und wird stetig verändert, um aktuellen Geschehnissen gerecht zu werden. Was sich nicht verändert, sind die grundlegenden Themen, die der Film behandelt: der Kampf der Roma fürs Bleiberecht, die Folgen für die von Abschiebung Betroffenen (insbesondere für Kinder und Jugendliche) sowie der Rechtsruck in Europa.

Roma werden aufgrund ihrer marginalisierten Lebenssituation in Deutschland als „Wirtschaftsflüchtlinge“ stigmatisiert und rechtlich behandelt. Ihre Armut wird als selbstverschuldet wahrgenommen und damit Diskriminierung legitimiert. Dabei wird völlig verkannt, dass ihre sozioökonomische Situation die Folge von Krieg und anhaltender Ausgrenzung ist.

Als beim Zerfall Jugoslawiens der Nationalismus bei vielen Völkern des ehemals sozialistischen Vielvölkerstaates wieder aufloderte, gehörten Roma zu den Hauptleidtragenden. Viele sind bereits während der ersten Jugoslawienkriege in den 1990ern geflohen. Jedoch war es vor allem der Kosovokrieg, den die NATO auch mit Unterstützung Deutschlands geführt hat, der nach wie vor seine Schatten wirft. So wurden etwa die Häuser der Roma im Krieg zerstört oder von Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft enteignet, und viele Roma wurden aus dem Land vertrieben.

Für Roma gibt es in den ex-jugoslawischen Ländern keine Zukunft mehr. Diese Hintergründe zu kennen, ist wichtig, um die aktuelle Situation und die Kämpfe der Roma gegen Abschiebung hierzulande richtig einzuschätzen.

Die Kämpfe werden im Film u.a. anhand der Besetzung des Mahnmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Roma und Sinti Europas in Berlin gezeigt. An diesem Ort, der an Verfolgung und Völkermord erinnern soll, protestierten im Mai 2016 50 Roma gegen ihre Abschiebung. Gewaltsam wurde die Besetzung nachts von der Polizei geräumt, und fast alle dort demonstrierenden Roma wurden mittlerweile abgeschoben.

Einen Mangel an historischem Bewusstsein zeigt Deutschland auch mit Erklärung von sechs Balkanländern zu so genannten sicheren Herkunftsstaaten. Das Recht auf Asyl wird damit für die betroffenen Menschen, vor allem Roma, ausgehebelt und deren Abschiebung massiv gefördert. Dass dort lediglich materielle Not, Marginalisierung und Diskriminierung für sie sicher sind, wird im Film eindrücklich gezeigt. Ihre Kinder, die in Deutschland geboren und sozialisiert sind, werden ihrer Zukunft beraubt – viele von ihnen werden nie wieder eine Schule besuchen, da sie oftmals nicht einmal die dortige Sprache sprechen.

Der Film zeigt, dass die Diskriminierung gegen Roma durch das wieder zunehmende Erstarken rechter Bewegungen und Parteien in Europa verstärkt wird und sie immer wieder Ziel nationalistischer Angriffe und anderer Menschenrechtsverletzungen werden.

Seit Beginn der Jugoslawienkriege sind mittlerweile fast 30 Jahre vergangen, und mehrere Generationen von Roma sind in einer Situation der Heimatlosigkeit aufgewachsen oder in sie hineingeboren worden. Ein Zuhause gibt es für Roma in den Balkanstaaten nicht mehr, daher kommen sie nach ihrer Abschiebung wieder. Deutschland hat nie seine historische Verantwortung für den Völkermord und seine Beteiligung am Kosovokrieg übernommen, indem es den Roma einen sicheren Aufenthalt gewährt hätte. Endlich ein Bleiberecht und gesellschaftliche Beteiligung zu erwirken – das gehört zu den wichtigsten Zielen von Roma-Initiativen wie alle bleiben!, deren Kämpfe im Film gezeigt werden.

Samstag, 1200 – 1300 Uhr, Raum 2

Sozialwissenschaften im Nationalsozialismus

Basisgruppe Sozialwissenschaften

In den letzten Jahren kam es zu einem immer größeren Interesse an der Rolle von Sozialwissenschaften im Nationalsozialismus. In der Politikwissenschaft ist der Streit um Theodor Eschenburg eskaliert, in der Erziehungswissenschaft der über Heinrich Roth. Trotzdem bleibt die Auseinandersetzung mit der Geschichte der verschiedenen Sozialwissenschaften im Nationalsozialismus in Forschung und Lehre randständig. Lediglich einige wenige Wissenschaftler*innen bearbeiten unermüdlich das Thema, erinnern an die Opfer, und klagen die TäterInnen an. Besonders vernachlässigt wurde bisher eine interdisziplinäre Untersuchung von Sozialwissenschaften im Nationalsozialismus. In dem Workshop wollen wir mit Euch über diese Leerstelle diskutieren. Die Referent*innen werden zunächst kurz das Thema vorstellen und dann in die Diskussion einführen.

Samstag, 1730 – 1845 Uhr, Raum 2

Kein Friede den Frevlern – Filmvorführung und Diskussion mit dem Regisseur Mikko Linnemann

AStA

Dokumentarfilm aus der Reihe „Wie erinnern?“, 2011, 40 Minuten. Leon Szalet (1892-1958) ist einer von mehr als 500 Juden polnischer Staatsangehörigkeit, die Mitte September 1939 in Berlin verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt werden. Er überlebt, weil seine Tochter seine Entlassung durchsetzen kann. Im Mai 1940 emigrieren beide über Shanghai in die USA. Dort beginnt er sofort mit der Niederschrift seiner Hafterinnerungen. Szalets Überlebenszeugnis wird von heutigen Bildern und Tönen der beschriebenen Orte kontrastiert, die nach gesellschaftlicher Normalität und nach sichtbaren Manifestationen einer von vielen Seiten beeinflussten Gedenkpolitik fragen. Die daraus resultierenden Widersprüche, Kontinuitäten, aber auch Konsequenzen aus der deutschen Geschichte finden ihren Ausdruck in der filmischen Form, die zeitgleich auf eine standardisierte Darstellungsweise zeitgeschichtlicher Themen verweist.

Samstag, 1630 – 1730 Uhr, ZHG 002

Theaterstück: Die Asyl-Dialoge

Bühne für Menschenrechte

Es ist, als ob das Schauspiel-Ensemble das Publikum direkt anspricht, ihnen die Hand reicht und sie reinzieht in eine Welt, die sie von nun an nicht mehr kalt lassen wird: verwickelt, verschlungen, verbunden und vernetzt mit den Heldinnen und Helden der ASYL-DIALOGE. Die ASYL-DIALOGE erzählen von Begegnungen, die Menschen verändern, von gemeinsamen Kämpfen in unerwarteten Momenten – eine dieser Geschichten spielt in Osnabrück, wo seit März 2014 ein breites Bündnis solidarischer Menschen bereits 30 Abschiebungen verhindern konnte und somit für viele bundesweit zum Vorbild wurde… Wir hören diese Geschichte aus erster Hand, aus der Perspektive zweier junger Aktivist*innen, die gezwungen sind, sich ein Katz- und Mausspiel mit der Polizei zu liefern. Die Geschichte konfrontiert uns mit der Frage, wie viel Mut wir entwickeln können, wenn aus zunächst lose verbundenen politischen Akteur*innen gute Freund*innen werden. Auch die ASYL-DIALOGE entstanden durch ausführliche Interviews, lediglich gekürzt und ohne sprachliche Veränderungen: dokumentarisches, wortgetreues Theater.

Samstag, 1500 -1630 Uhr, Stilbrvch

Boykott des Friedens – Zur Aktualität der Israel-Boykott-Bewegung 

Sebastian Mohr

Der im Juli 2005 erfolgte „Aufruf der palästinensischen Zivilgesellschaft zu BDS“ gilt als zentraler Referenzpunkt für die derzeit wohl weltweit aktivste anti-israelische Kampagne. Die dort festgeschriebenen zentralen Forderungen bedrohen in ihrer Konsequenz die Existenz des jüdischen Staates. BDS wirbt für umfassende akademische, kulturelle und wirtschaftliche Boykotte, sowie für eine politische Isolation Israels. Im Zusammenhang mit BDS-Aktionen kommt es immer wieder auch zur Gewalt gegen politische Gegner. Insbesondere Jüdinnen und Juden, die sich nicht offen gegen Israel aussprechen, werden durch deren Aktivitäten in ihrer Meinungsfreiheit beschränkt und zunehmend isoliert. Ein häufiger Schauplatz dabei sind Universitätseinrichtungen in den USA und Europa. Der Workshop wird die Organisationsstruktur und Strategie der Israel-Boykott-Bewegung beleuchten und einen kurzen Überblick über die Boykott-Aktivitäten im deutschsprachigen Raum geben.

Samstag, 1300 – 1500, Raum 1

Fällt aus: Kritik am Nationalismus

Redical M

Es scheint den Leuten wichtig zu sein, dass sie nicht nur der Martin oder die Karin, sondern auch Deutsche. Äußert man Kritik an Deutschland, wird man schnell darauf hingewiesen, man solle doch auswandern. Aber den Nationalismus, den finden alle angeblich auch wieder schlimm. Wie geht das?

Wir wollen diskutieren, warum die Menschen darauf kommen, stolz auf ihre Mitgliedschaft in einem Staat zu sein, der u.a. gerade den massenhaften Tod von Flüchtlingen an den europäischen Außengrenzen organisiert und wie eine grundsätzliche Kritik am Konzept von Nationalstaaten aussehen kann.

Samstag, 1200 -1300 Uhr, Raum 2

Die Geschichte der OM10

Our House e.V. / FSR Philosphie

Am 05. November 2015 wurde das ehemalige DGB-Haus Obere-Masch-Straße 10 besetzt. Die wichtigsten Ziele waren: praktische Solidarität mit Geflüchteten, Leerstand nutzbar machen. Vor dem Hin­ter­grund der katas­trophalen Sit­u­a­tion in den staatl. und kom­mu­nalen Masse­nun­ter­bringun­gen, in denen allein im Land­kreis Göt­tin­gen tausende Geflüchtete wohn­ten, stieß die Beset­zung auf großen Zus­pruch in der Göt­tinger Zivilge­sellschaft. Inner­halb kürzester Zeit kon­nte hier ein vor­bildliches Pro­jekt, in dessen Zen­trum das selb­st­bes­timmte Zusam­men­wohnen von Geflüchteten und anderen Woh­nungssuchen­den steht, etabliert und ver­stetigt wer­den. Heute ist die OM10 immer noch da – Bewohner*innen, Nutzer*innen, Unterstützer*innen haben das Haus im März gekauft. In dem Vortrag wollen wir die spannende Besetzungsgeschichte der OM10 beleuchten und einen Ausblick auf die nähere Zukunft (Sanierung – Sommerbaustelle) geben.

Freitag, 1730 – 1830 Uhr, Raum 2

RechtsRock – Spaß, Ideologie und Struktur für die Naziszene

Multimedialer Vortrag, Jan Raabe

Ca. 3500 BesucherInnen kamen im letzten Jahr zum „Rock für Identität“-Konzert nach Thüringen. Während die offiziellen Zahlen einen starken Rückgang der Aktivitäten der extrem rechten Jugendkultur suggerieren, hat sich die Szene auf hohem Niveau etabliert. Der multimediale Vortrag von Jan Raabe wird den aktuellen Stand der Szene an Hand von Zahlen und Beispielen darstellen. Dabei wird das Verhältnis von Spaß, Ideologievermittlung und der Bildung von Strukturen deutlich. Angesprochen wird sowohl die musikalische Ebene, welche inzwischen von Rock bis Rap reicht und die ideologischen Spielarten, als auch das Frauenbild und das Geschlechterverhältnis.

Freitag, 1600 – 1730 Uhr, Raum 1

Ist Jude ein Schimpfwort? – Aktuelle Formen von Antisemitismus erkennen & besprechbar machen

Beate Klammt

Über viele Jahre wurde Antisemitismus in Deutschland als ein historisches und somit vergangenes Phänomen betrachtet. Die Zunahme antisemitisch motivierter Gewalt und die Salonfähigkeit antisemitischer Denkfiguren verweisen auf seine aktuelle Relevanz. Um die aktuellen Erscheinungsformen des Antisemitismus erkennen und antisemitismuskritisch handeln zu können, bedarf es einerseits der Beschäftigung mit seinen gegenwärtigen Mechanismen sowie Funktionen und anderseits der Reflexion über eigene Bezüge und Verstrickungen darin. Der Workshop bietet eine Möglichkeit, die Wahrnehmung von und den Umgang mit Antisemitismus zu stärken und zu erweitern.

Beate Klammt ist freiberufliche Bildungsreferentin des Modellprojekts „Perspektivwechsel Plus“ der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Dieses verfügt über langjährige Erfahrungen in der pol. Jugend- und Erwachsenenbildung mit Schwerpunkt der Antisemitismus- und Diskriminierungsprävention. 

Freitag, 1430 -1700 Uhr, Raum 3