Der Demokratische Konförderalismus. Antistaatlichkeit und radikale Demokratie im Mittleren Osten

Mako Qocgiri

Seit Beginn der Revolution in Rojava wird die Kurdische Freiheitsbewegung innerhalb der deutschen Linken viel diskutiert. Gegenwärtig sind die Augen vor allem auf die Auseinandersetzungen in Nordkurdistan/Osttürkei gerichtet, wo die NATO-Armee der Türkei mit aller Brutalität gegen kurdische AktivistInnen vorgeht, die als stärkste oppositionelle Kraft dem Erdogan-Regime die Stirn bieten. Doch neben den gegenwärtigen Kämpfen in und um Kurdistan lohnt es sich auch ein Blick darauf zu werfen, wofür die Kurdische Freiheitsbewegung eigentlich kämpft. Denn sie fordert ein radikal-demokratisches, geschlechterbefreites und antistaatliches Gesellschaftssystem, das nicht nur in Kurdistan eine grundlegend alternative Perspektive darbietet, wie Gesellschaft organisiert werden kann. Mit diesem System – dem Demokratischen Konföderalimis – wollen wir uns auseinandersetzen.

Samstag, 12-14 Uhr, Raum 2

Handlungsmöglichkeiten zu Zeiten der Abschottung Europas

Travelling Bureau

Im Februar und März diesen Jahres waren wir mit einer Gruppe von vier Leuten in Idomeni, um dort Flüchtende auf ihrem Weg zu supporten und uns selbst ein Bild von der Situation vor Ort zu machen. In dem Zeitraum unseres Aufenthaltes spitzte sich die Lage in Griechenland zu. Immer mehr Menschen wurden durch die europäische Grenz- und Migrationspolitik in die Illegalität gedrängt und mussten von da an gefährlichere und riskantere Wege wählen. Gleichzeitig steigerten sich die Refugee-Proteste im Camp von Idomeni von Tag zu Tag, bis hin zu Versuchen, die Grenze gemeinsam zu stürmen. Wir würden gerne einige unserer Erfahrungen und Eindrücke mit euch teilen, sowie mit euch über Perspektiven, Handlungsstrategien und Interventionsmöglichkeiten zu Zeiten der Abschottung der Festung Europa diskutieren.

Samstag, 12-14 Uhr, Raum 1

Workshop: Sozialwissenschaften im Nationalsozialismus – Eine interdisziplinäre Perspektive

Basisgruppe Sozialwissenschaften

In den letzten Jahren kam es zu einem immer größeren Interesse an der Rolle von Sozialwissenschaften im Nationalsozialismus. In der Politikwissenschaft ist der Streit um Theodor Eschenburg eskaliert, in der Erziehungswissenschaft der über Heinrich Roth. Trotzdem bleibt die Auseinandersetzung mit der Geschichte der verschiedenen Sozialwissenschaften im Nationalsozialismus in Forschung und Lehre randständig. Lediglich einige wenige Wissenschaftler*innen bearbeiten unermüdlich das Thema, erinnern an die Opfer, und klagen die TäterInnen an. Besonders vernachlässigt wurde bisher eine interdisziplinäre Untersuchung von Sozialwissenschaften im Nationalsozialismus. In dem Workshop wollen wir mit Euch über diese Leerstelle diskutieren. Die Referent*innen werden zunächst kurz das Thema vorstellen und dann in die Diskussion einführen.

Freitag, 18-20 Uhr, Raum 3

Film: Concerning Violence

AStA

Göran Hugo Olsson blickt in „Concerning Violence“ auf die afrikanischen Unabhängigkeitskämpfe zwischen 1966 und 1984. Die theoretische Grundlage liefert das berühmte Buch „Die verdammten der Erde“ von Frantz Fanon, mit einem neuen, für die Dokumentation geschriebenen Vorwort der postkolonialistischen Theoretikerin Gayatri Chakravorty Spivak. Durch diese theoretische Brille werden einige Befreiungsbewegungen thematisiert, die für eine radikale Entkolonialisierung der Länder des afrikanischen Kontinents kämpften. Die radikalen Texte Fanons, gesprochen von der Fugees-Musikerin Lauryn Hill, strukturieren dabei das neu entdeckte Bildmaterial, das einige der heftigsten Zusammenstöße zwischen Aufständischen und Militär in Angola, Mozambique, Guinea-Bissau und Liberia zeigt. Zudem wird ein Ausblick auf aktuelle Konflikte geliefert, der verdeutlicht, wie sehr die afrikanischen Länder noch immer mit den Folgen der europäischen Kolonialisierung zu kämpfen haben.

 

Freitag, 17-19 Uhr, ZHG 002

Blackbox Abschiebung. Zur Politik der Abschiebungen und ihrer Überwindung

Miltiadis Oulios

In Deutschland gehört das Versprechen der „Integration“ seit einigen Jahren zur offiziellen Rhetorik. Zuletzt ging sogar die Botschaft von der deutschen »Willkommenskultur« um die Welt. Abschiebungen aber sind die hässliche Seite unserer Migrationspolitik. Und der Ruf nach Abschiebungen wird nach dem Steigen der Flüchtlingszahlen immer lauter. Zeit also, sich mit der Institution „Abschiebung“ genauer zu beschäftigen. Buchautor Miltadis Oulios analysiert die deutsche Abschiebepolitik und lädt ein über Alternativen zu diskutieren.
Einmal mehr haben im Jahr 2015 Grenzen dem Willen von Menschen zur Freiheit nicht standgehalten. Das europäische Abschieberegime brach zusammen, weil es die Geflüchteten, die über die „Balkan-Route“ in die Mitte Europas kamen, überrannt haben. Ebenso sind viele Migranten aus dem Westbalkan vermehrt nach Deutschland gekommen. Als Reaktion auf diese Migrationen wird die Abschiebepolitik nun – wieder einmal – verschärft.

Doch können Abschiebung und Abschreckung die Bewegung von Menschen verhindern und rückgängig machen? Welcher Kampf um Rechte kulminiert in der Politik der Abschiebungen? Wie sind Abschiebungen vor dem Hintergrund unserer globalisierten Gesellschaft einzuschätzen, in der Mobilität zunimmt?

Miltiadis Oulios entwickelt in seinem im Suhrkamp Verlag erschienenen Buch „Blackbox Abschiebung“ eine Theorie der Abschiebung. Menschen, die selbst abgeschoben wurden, kommen zu Wort. Er analysiert die Grenzen des Menschenrechtsbegriffs bei der Bekämpfung von Abschiebungen und stellt die Realisierbarkeit der Utopie eines Endes der Abschiebung zur Diskussion.

Miltiadis Oulios ist freier Hörfunk-Journalist und Buchautor und lebt in Düsseldorf. Sein Buch „Blackbox Abschiebung. Geschichte, Theorie und Praxis der deutschen Migrationspolitik“ wurde im Jahr 2013 veröffentlicht und ist im Dezember 2015 in erweiterter Neuauflage im Suhrkamp Verlag erschienen. Es ist hervorgegangen aus der Wanderausstellung „Blackbox Abschiebung“ des Filmemachers Ralf Jesse.

Freitag, 16-18 Uhr, Raum 2

Was ist Antisemitismus?

Monty Aviel Zeev Ott

„Der Durchschnitts-Antisemit scheint eine relativ normale, gut angepaßte Persönlichkeit zu sein.“ Dem Antisemitismus ist immer der Wunsch nach Vernichtung inhärent. Die Konsequenz dessen wird heute mit Namen wie Auschwitz, Treblinka und Sobibór verbunden. Doch was ist es, dass die Judenfeinde rasend macht? Wie kann trotz der Bekanntheit des industriellen Massenmordes der Judenhass in europäischen Gesellschaften weiterhin grassieren? Warum ist man in jüdischen Gemeinden im Jahr 2016 gezwungen hinter schusssicherem Glas zu beten? Diesen Fragen wird sich Monty Aviel Zeev Ott in seinem Vortrag annähern und dabei die Relation von Antisemitismus und Rassismus analysieren.

Freitag, 16-18 Uhr, Raum 3